Datenqualität und Restaurantreservierungen in Europa: warum sich unsere Zahlen verschoben haben

Jan-Willem Rodenhuis··10 min Lesezeit
Datenqualität und Restaurantreservierungen in Europa: warum sich unsere Zahlen verschoben haben

Die Zahlen aus unserem ersten Artikel über digitales Reservieren halten nicht stand. Mit besserer Erkennung und einer strengeren Definition stieg Dänemark von 50 % auf 92 %, die Niederlande fielen von 92 % auf 86 %. In derselben Runde kamen ein siebtes Land und 8 Plattformen hinzu.

Dänemark ging innerhalb weniger Tage von 50% auf 92%

Wenige Tage vor dieser Messung veröffentlichten wir eine Analyse der digitalen Reservierungen in Europa. Dänemark stand darin mit 50% Plattformadoption ganz unten, Deutschland bei 65% und die Niederlande mit 92% ganz oben. In der neuen Messung steht Dänemark mit 92% an der Spitze. Die dänischen Restaurants hatten sich in diesen Tagen nicht verändert. Verändert hatte sich unser Scanner, der nun unter anderem DinnerBooking erkennt.

Es hat sich einiges gleichzeitig verschoben. Die Datenbank wuchs von 6.421 auf 7.644 Restaurants, mit Spanien als siebtem Land. Wir erkennen 33 Reservierungsplattformen, vorher waren es 25, und suchen per Reverse Lookup nach Verbindungen, die auf der Website des Restaurants nicht zu sehen sind. Außerdem haben wir anders gezählt als beim letzten Mal. Die größten Verschiebungen gehen eher auf diese Änderungen in der Messung zurück als auf die neuen Restaurants.

Reservierungsplattform, nur Kontakt oder nichts gefunden, nach Land

Die Messung vom 15. März 2026, mit verbesserter Erkennung und zusätzlich Spanien:

LandRestaurantsReservierungsplattformNur KontaktNichts von uns erkannt
Dänemark10192%6%2%
Niederlande92086%14%0%
Spanien1.21671%25%5%
Frankreich2.89171%23%6%
Belgien1.24669%30%1%
Luxemburg4667%22%11%
Deutschland1.22441%52%8%

Eine frühere Fassung dieses Artikels nannte 75% für die Niederlande und 90% für Dänemark; beide Zahlen waren falsch, und die Tabellen hier wurden neu aus den Daten berechnet.

Der vorige Artikel kannte nur „digitale Plattform ja/nein“ und zählte Telefon und E-Mail mit. Das war irreführend, denn über eine Telefonnummer auf der Website kann ein Gast nicht online buchen. Jetzt steht ein Restaurant nur dann unter Reservierungsplattform, wenn ein Gast dort online einen Tisch reservieren kann. Telefon, E-Mail und Kontaktformular fallen unter nur Kontakt. Die letzte Spalte zählt Restaurants, bei denen wir nichts gefunden haben, und das sagt nichts darüber aus, was diese Restaurants selbst nutzen.

Unterschiede zum vorigen Artikel nach Land

LandVoriger ArtikelJetzt (Reservierungsplattform)UnterschiedErklärung
Dänemark50%92%+42 ppDinnerBooking jetzt erkannt
Niederlande92%86%-6 ppStrengere Definition und bessere Erkennung
Belgien81%69%-12 ppStrengere Definition
Frankreich83%71%-12 ppStrengere Definition
Deutschland65%41%-24 ppStrengere Definition

In Dänemark finden wir DinnerBooking jetzt bei 25 der 101 Restaurants. Ein Integrationspartner nennt es eines der führenden Tischreservierungssysteme Dänemarks, und das Unternehmen selbst sprach in einer Stellenanzeige vom größten System im Norden, mit mehr als 1.400 Restaurants. Unabhängige Marktzahlen haben wir nicht gefunden. DinnerBooking erklärt damit etwa 25 der 42 Punkte; der Rest stammt nach unserer Einschätzung aus der breiteren Erkennung. Die Basis ist klein: Bei 101 Restaurants wiegt jedes Restaurant etwa einen Prozentpunkt.

Die Niederlande gehen von 92% auf 86% zurück, ohne dass die Restaurants sich damit verschlechtert hätten. Die strengere Definition drückt die Zahl, die bessere Erkennung hebt sie. Zählen Sie die 14% nur Kontakt dazu, ungefähr wie im vorigen Artikel, kommen Sie nahe an 100%, gegenüber 92% damals. Bei 3 Restaurants (0,3%) haben wir gar nichts gefunden.

Deutschland fällt am stärksten, von 65% „digital“ auf 41% mit Reservierungsplattform. Bei 52% fanden wir nur eine Telefonnummer, eine E-Mail-Adresse oder ein Kontaktformular. Diese Zahl beschreibt unseren Fund und lässt offen, was diese Restaurants sonst nutzen.

Spanien: TheFork und CoverManager kommen zusammen auf 70%

Mit 1.216 Restaurants ist Spanien der viertgrößte Markt im Datensatz, nach Frankreich, Belgien und Deutschland. TheFork finden wir bei 593 Restaurants (49%), CoverManager bei 253 (21%). Alle anderen Reservierungssysteme kommen in Spanien zusammen auf 13 Restaurants.

CoverManager ist im eigenen Land stark und bleibt weitgehend auf Spanien beschränkt: 253 seiner 273 Restaurants in unseren Daten liegen dort. Von diesen 253 fanden wir 96 per Reverse Lookup. Wir bildeten aus Restaurantnamen mögliche URLs und prüften sie gegen die CoverManager-API. Diese Restaurants standen vorher als „nur Telefon“ oder „nichts erkannt“ in unseren Daten. Ohne diesen Schritt hätten wir gut ein Drittel der spanischen CoverManager-Restaurants übersehen.

Was ein Website-Scan übersieht

Die Erkennung sucht auf Restaurant-Websites nach bekannten Widgets, Skripten und URL-Mustern. Diese 96 spanischen Restaurants hatten ein funktionierendes CoverManager-Konto, und der Scanner fand kein Signal davon. Websites sind Einzelanfertigungen oder mit Page Buildern gebaut, manchmal als Single-Page-Anwendung oder mit iframes in iframes, und unser Crawler kann nicht jede Variante lesen.

Wir erwarten, dass das auch bei anderen Plattformen und in anderen Ländern vorkommt, und lesen unsere Prozentwerte deshalb als Untergrenze. Wie viel höher die tatsächliche Adoption liegt, wissen wir nicht.

Die sechs größten Plattformen und wo sie vertreten sind

PlattformGesamtNLBEFRDEESDKLU
Zenchef*2.03840852695491—3127
TheFork1.64612038746149593——
CoverManager273—317—253——
OpenTable234———2202——
Guestplan17714025—————
Tablefever174—170—————

* Zenchef einschließlich der früheren Formitable und Resengo

Zenchef ist am weitesten verbreitet: Es ist in sechs der sieben Länder vertreten und fehlt in dieser Tabelle nur in Spanien. Trotzdem stammen 47% seines Volumens aus Frankreich und 93% aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden zusammen. OpenTable hat 220 seiner 234 Restaurants in Deutschland. Guestplan und Tablefever sind fast ausschließlich Benelux-Plattformen.

TheFork hat ein anderes Profil, mit 746 Restaurants in Frankreich und 593 in Spanien. In Deutschland sind es 149, in den Niederlanden 120. In Belgien steht es bei 38 der 1.246 Restaurants, und in Dänemark und Luxemburg fehlt es.

Plattformen und Restaurants, die diese Messung schlecht erfasst

In Deutschland erkannten wir im März weder Resmio noch Quandoo. Das Nürnberger Unternehmen resmio bezeichnet sich selbst als das führende Online-Reservierungssystem in Deutschland, Österreich und der Schweiz; unabhängige Zahlen haben wir nicht. Das Berliner Unternehmen Quandoo kündigte an, dass die Dienste für Verbraucher am 1. Oktober 2026 enden und das Unternehmen spätestens zum 31. Dezember 2026 vollständig schließt. Diese Plattform jetzt noch aufzunehmen, würde die deutsche Zahl also nicht dauerhaft anheben. Wie viele deutsche Restaurants Resmio oder ein anderes nicht erkanntes System nutzen, wissen wir nicht, und das dänische Beispiel beweist dazu nichts.

Ein Teil dieser 52% arbeitet vielleicht auch einfach telefonisch. In einer Bitkom-Umfrage von 2018/2019 unter deutschen Verbrauchern war der Anruf der beliebteste Weg zu reservieren, und 55% riefen immer oder oft an. Die Umfrage ist alt und betrifft alle Restaurants, mehr als ein Hinweis ist sie also nicht.

TheFork und DinnerBooking sind gegen Bots geschützt und deshalb per Website-Scan schwer zu finden. TheFork erkennen wir an URL-Mustern; für DinnerBooking war wegen Cloudflare ein eigener Detektor nötig. Wir denken, dass auf diesen Plattformen mehr Restaurants sind, als wir messen.

Bei Kopenhagener Spitzenrestaurants stoßen Sie auf Systeme, die in der Tabelle oben nicht stehen. Noma verweist in seinen Reservierungsregeln auf Tock-Profile, Geranium nimmt Buchungen über SevenRooms an, und Alchemist nutzt laut einem Blog Tock. Das sind kommerzielle Plattformen, und unsere Daten vom März kennen sie: in Dänemark 3 Restaurants bei Tock und 2 bei SevenRooms. Geranium stand damals unter Formitable, also hat das Restaurant das System gewechselt oder wir lagen falsch. Aus drei Restaurants lässt sich kein Muster ableiten.

Wo die erste Analyse zu viel behauptete

Mit 25 erkannten Plattformen wirkten die Niederlande wie der mit Abstand digitalste Markt, mit 33 steht Dänemark vorn. Die Zahlen des vorigen Artikels gaben wieder, was der Scanner damals sah. Die Deutung „die Niederlande liegen weit vorn“ ging weiter, als diese Messung erlaubte: Der Abstand zwischen 92% und 50% kam unserer Ansicht nach großenteils aus der Messung selbst.

Was die Zahlen aussagen und was nicht

Von den sechs Plattformen der Tabelle ist Zenchef in fünf Ländern die größte, TheFork in Spanien und OpenTable in Deutschland. Ein Gast, der in mehreren Ländern reserviert, hat es also mit verschiedenen Systemen zu tun.

Bei 2.113 Restaurants (28% der Gesamtzahl) fanden wir nur eine Telefonnummer, eine E-Mail-Adresse oder ein Kontaktformular. Wie viele davon eine Plattform nutzen, die wir nicht erkennen, und wie viele einfach ans Telefon gehen, zeigt diese Messung nicht.

Die Prozentwerte zeigen, was unser Scanner am 15. März 2026 auf Websites finden konnte. Die Reihenfolge der Länder hängt davon ab, welche Plattformen auf unserer Liste stehen, und das gilt auch für den ersten Platz Dänemarks.

Dieser Artikel basiert auf einer Analyse von 7.644 Restaurants in der Datenbank von Fine Dining Finder, durchgeführt am 15. März 2026. Der Datensatz umfasst Restaurants aus dem Guide Michelin, Gault&Millau und/oder JRE in den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Luxemburg, Deutschland, Dänemark und Spanien. Die Plattformerkennung erfolgt automatisch per Website-Scan und wird durch Reverse-Lookup-Techniken ergänzt.

Möchten Sie wissen, wo heute Abend noch ein Tisch frei ist?

Verfügbare Restaurants finden